Janosch über Tränen

Zitate

Herr Janosch, wie bekommt man seine Tränen wieder in den Griff?

Gar nicht. Wer weint, muss sonst nichts anderes machen, das ist schön. Wondrak nimmt sich ein Bettlaken und weint, solange die Tränen reichen.

Janosch, Zeitmagazin

Geschichten von Leben und Tod

Literatur
Buchcover

Der Blog Q5 von Quintessenz hat von November 2017 bis März 2018 zu einem Schreibwettbewerb aufgerufen: gesucht waren Kurzgeschichten zum Thema „Weil du mir so fehlst – Geschichten von Leben und Tod.“

Der Wettbewerb hat mich nicht mehr losgelassen und so habe ich kurz vor knapp noch einen Beitrag eingereicht. Er hat es nicht ins Buch geschafft, aber das ist nicht so schlimm. Es war ein guter Anstoß für mich, mich auf diese Art und Weise mit meinem Verlust auseinander zu setzen. Eine Kurzgeschichte hatte ich vorher noch nie geschrieben. Vielleicht veröffentliche ich sie noch hier auf dem Blog.

Der Schreibwettbewerb

Die Initiatoren hofften, dass genug Geschichten zusammen kommen – 20 sollten von der Jury für die Buchveröffentlichung ausgewählt werden, daraus wiederum ein Gewinner im Publikumsvoting.

Das Feedback war überwältigend – über 700 (!!!) Geschichten wurden eingereicht.

Wie viel unterdrückte Trauer schlummert wohl in den Menschen da draußen…? Wie viele Geschichten, für die es keine gute Gelegenheit gibt, sie zu erzählen? Warum ist es so schwer in unserer Kultur über den Tod zu reden?

Diese Zahl hat mich echt in Staunen versetzt und mich selbst in dem Gedanken gestützt, dass ein Blog über Trauer und Tod vielleicht eine gute Idee ist.

Das Buch

Das Bild wurde mir vom Q5 Verlag zur Verfügung gestellt.

Nachdem der Schreibwettbewerb ein so überwältigendes Echo hervor gerufen hat, hat sich die Jury dazu entschlossen, nicht nur 20, sondern sogar 50 Geschichten zu veröffentlichen. 60% des Erlöses aus dem Buchverkauf werden an ein Hospiz gespendet.

Gute Geschichten für einen guten Zweck.

Thomas Klinger, Q5 Verlag

Ich habe das Buch zwar leider noch nicht gelesen, finde die liebevolle Aufmachung (man kann auf der Website einen Blick hinein werfen), die Idee und den sozialen Gedanken dahinter aber großartig.

Im Moment bin ich mir auch gar nicht sicher, ob ich mich so intensiv mit anderen Trauer-Geschichten auseinandersetzen kann. Zwei, drei Bücher dazu habe ich schon zu Hause, aber noch nicht angefangen oder mittendrin aufgehört zu lesen. Es braucht einfach das passende Mindset und Bauchgefühl zur gleichen Zeit.

Wenn ich euch neugierig gemacht habe, könnt ihr das Buch über die Website des Q5 Verlages (vor-)bestellen – es ist in kleineren Mengen vorrätig bzw. wird es dann auch wieder nachgedruckt.

www.q5-verlag.de

Was ich gern würde

Gedanken
Nahaufnahme einer Hortensie.

Ich würd‘ dir so gern das alles erzählen,
was ich dir fast täglich schreibe.
Ich würd‘ dir so gern den Blumenstrauß schenken,
den ich dir leise auf dein Grab stelle.

Ich würde so gern dein Lächeln wieder sehen,
deine Hand in meiner spür’n
und einfach ein paar Minuten bei dir sein.

Ich weiß noch genau, wie schön du warst:
wie schwarz dein kurzes Haar, deine Augen tief braun,
deine Umarmungen so warm.

Ich vermisse dich.

Ich würde dich so gern besuchen gehen,
nach einem Zahnarzttermin.
Das habe ich zuletzt immer so gemacht.

Ich würde mich so gern mit dir zusammen erinnern:
an meine Kindheit, meine Jugend, meine Hochzeit letztes Jahr.
Zu ihr warst du schon nicht mehr da.

Ich würd‘ dir so gern von meinen Plänen erzählen.
Von Wünschen und Träumen – die du wahrscheinlich schon kennst.
Weil ich dir so ähnlich bin.

Ich weiß noch genau, wie schön du warst.
Die ehrlichen Lachfalten in deinem Gesicht,
kein Make Up, das sie versteckt.
Und ein kleines bisschen kleiner als ich.

Ich vermisse dich.

Ich würde dir gern sagen,
wie sehr ich dich vermisse.
Was du mir alles bedeutet hast.

Warum hab‘ ich das nicht früher getan?

Ein Wichtel-Wunder

Gedanken
Zwei Wichtel im nebligen Gras.

Neulich stand ich noch vor deinem Grab und dachte daran, dass dort ein Wichtel hingehört.

Ein kleiner Wichtel, der Wind und Wetter trotzt, der alle ein bisschen erheitert, die hier her kommen, um an dich zu denken – dir nah zu sein.
Oder auch sich so fern und falsch zu fühlen.
Schließlich gehörst du ja gar nicht auf einen Friedhof.

Wo find‘ ich so einen Wichtel bloß?

Wunder gescheh’n, das hat Nena gesungen.
Ich glaube an Wunder, an Schicksal – aber nicht mehr an Zufall.

Deswegen war es auch ganz normal, dass der kleine Wichtel mit der blauen Mütze ganz plötzlich auf meinem Schreibtisch saß. Ein Weihnachts-Wichtel, der als Geschenk erst für mich und bald für dich den Weg zu uns gefunden hat.

Und warum ein Wichtel bloß?

Weil ich bei Wichteln immer an dich denken muss.
Du hattest alles schon weihnachtlich geschmückt, kurz vor dem großen Unglück. Und dabei festgestellt, das hat mir Papa so gesagt, dass du ganz schön viele Wichtel hast.

Deswegen habe ich gedacht, es muss ein Wichtel auf dein Grab.
Auf dein Denkmal, deinen Erinnerungsort, um ihn etwas aufzuheitern – diesen seltsamen Ort.